Geräte-Besprechung: Fliegenrollen ORVIS Mirage V (Modelljahr 2017) aus dem Fliegenfischer-Forum

Das seit Jahren immer weiter entwickelte “beste Pferd im Stall” unter den ORVIS Fliegenrollen heißt Mirage und bietet jede Menge Know How! Mirage Großkern-Fliegenrollen sind Made in USA und wissen nicht nur durch ihr ansprechendes, modernes Design und ihre enorme Stärke zu überzeugen, sondern auch durch eine ausgefeilte, überlegene Technik, die hochwertigen, in ihr verarbeiteten Materialien und nicht zuletzt durch ein raffiniertes, besonders starkes Bremssystem.
Verfügbare Modelle (Stand Sommer 2017)
Die aktuelle Mirage Rollenserie wurde von ehemals acht auf fünf Modelle (II-VI) reduziert, welche die Schnurklassen von #3 bis #13 abdecken. Farben: Midnigth Black und Pewter.
Mirage II (für #3-5)
Mirage III (für #5-7)
Mirage IV (für #7-9)
Mirage V (für #9-11)
Mirage VI (für #11-13)
Unser Testmodell war eine ORVIS Mirage V in Pewter.

Technische Daten (eigene Messungen): 
Farbe: “Pewter” (Titan Matt), Oberfläche: militärisch spezifizierte Typ III anodiosierte Hartbeschichtung
Gewichte: Rolle: 276 Gramm / Spule allein: 96 Gramm
Rollendurchmesser: 114 mm
Rollenbreite (ohne/mit Kurbel): 42 (84) mm, Spuleninnenbreite: 30 mm
max. Spulentiefe (nutzbar): 22 (19) mm
Spulenkerndurchmesser: 70 mm
Schnuraufnahme bei einer ganzen Umdrehung mit voller Spule: 33 cm 
Schnurfassung: WF10F + 225 yds 30lbs Backing
Lieferumfang: Karton, Rollen-Etui, Werkzeug, Beipackzettel (in Englisch) mit Instruktionen und Garantiebestimmungen
Garantie: Nicht befristete Garantie auf Material- und Herstellungsfehler gegen geringen Unkostenbeitrag, zudem jederzeit Wartungs- und Reparatur-Möglichkeit, ebenfalls gegen einen Unkostenbeitrag, mehr dazu beim Fachhändler.
Seriennummer: ja, auf der Gehäuseinnenseite
Herstellungsland: USA
Preise (UVP): Rolle: 809,00 €, E-Spule: 415,00 €

Beschreibung und Praxistest: Stabil konstruierte Großkern-Fliegenrolle in sehr moderner und ansprechender Optik, aus dem vollen 6061-T6- Aluminiumblock gedreht und gefräst. Die Rollenoberfläche wurde mit einer “militärisch spezifizierten Typ III anodiosierten Hartbeschichtung” geschützt. Laut Hersteller (von uns (noch) nicht geprüft) ist die Rollenserie selbstverständlich für den Salzwasser- Einsatz geeignet. Die mehrfach gelagerte Spule läuft auf einem Achsensystem aus Titan, welches mit dem Bremssystem komplett im Rollengehäuse untergebracht ist, im offenen Rollenrahmen. Die gehäuseseitige Platzausnutzung ist gut. Die Rollenrückseite und der Spulenkern besitzen ein modernes, offenes Design. Die Spulen- Vorder- und Rückseiten sowie der Spulenboden sind durch umlaufende Ausfräsungen ebenfalls fast vollständig offen, bzw. stark ventiliert. Am Gehäuse befinden sich zwei Stege: hinten ein breiterer Steg für den zweifach von Außen angeschraubten Rollenfuß (vorbildlich: die Bohrlöcher für die Schrauben gehen nicht durch, außerdem wurde der Rollenfuß abgerundet, um darum gelegte Vorfächer nicht zu knicken) und vorne mittig ein Innen offener Steg für die Schnurführung. Die Gefahr eines ungewollten Durchrutschens von Schnur oder Vorfach zwischen Rollenrahmen und Spule wird durch das tiefe Hereingreifen der Stege in die Spulennut und die nur äußerst geringen Fertigungstoleranzen wirkungsvoll vermindert. Auf der Spulenvorderseite befindet sich eine griffige geformte Kurbel aus Aluminium in Rollenfarbe, welche butterweich, absolut spielfrei und perfekt läuft und durch ihre Form einem Verfangen der Schnur entgegen wirkt. Ihr gegenüber sorgt ein (nicht über die Spulenkante herausragendes) Kontergewicht für einen tadellos ruhigen Spulenlauf. Scharfe Ecken und Kanten sucht man bei der Mirage vergeblich, ebenso gibt es absolut keinerlei störendes Spiel, kein Schlagen und nirgendwo zu große Abstände – das alles spricht für eine äußerst präzise Verarbeitung. Die (Leer-)Rolle ist, am Rollenfuß gehalten, sehr gut ausbalanciert.

Die Spule lässt sich leicht und einfach wechseln, hierzu wird die Mutter auf der Spulenvorderseite per Hand locker geschraubt, anschließend kann die Spule nach vorne heraus gezogen werden. Die Mutter besitzt eine Führung und kann daher auch im gelockertem Zustand nicht versehentlich verloren werden. Ein Umbau von Links- auf Rechtshandbetrieb oder umgekehrt ist in Eigenregie möglich und in den der Rolle beiliegenden Papieren in englischer Sprache erläutert. Ein entsprechendes Spezialwerkzeug hierfür liegt der Rolle ebenfalls bei.
Im Betrieb lässt die Mirage in beiden Laufrichtungen ein angenehmes Schnurren hören. Der Rundlauf der Spule ist 100%ig “schlagfrei” ausbalanciert. Das zuverlässig arbeitende und starke, neu konstruierte Multischeibenbremssystem der Mirage auf Basis von Kohlefaser- und Edelstahl-Bremsscheiben wurde geschützt und komplett wartungsfrei versiegelt im Gehäuseinneren untergebracht. Hier wirken je nach Rollenmodell/Größe bis zu 20 Bremsscheiben. Die Bremse läuft völlig ruckfrei an und lässt sich mit dem gut bedienbaren Bremseinstellrad (31,5 mm Durchmesser) auf der Gehäuse-Rückseite in 30 Klicks und nur knapp einer einzigen Komplettumdrehung fein von „Ungebremst“ bis „Sehr stark“ regulieren. Ein vorderer und hinterer Anschlag sowie eine kleine Markierung machen die Bedienung sicher und komfortabel. Unser Bremsen-Testwert (maximales Abzugsgewicht in Kilogramm bei vollständig geschlossener Bremse und bei gefüllter Spule) ergibt einen Wert bis um 4,1 kg – ein sehr guter Wert, entsprechend dem Drillanspruch in dieser Schnurklasse. Ebenfalls vorbildlich: Beim Verstärken der Bremseinstellungen von Minimum bis Maximum wird das Einstellrad nicht im Gehäuse versenkt. Im Test waren weder im nassen Zustand, noch bei unseren Belastungstests irgendwelche Schwächen des Bremssystems festzustellen. Eine Zuhilfenahme der Hand beim Bremsen ist durch den frei laufenden Spulenrand technisch möglich, jedoch kaum nötig. Optisch, sowie von Gewicht und Größe her passt unser Testmodell Mirage V optimal zu modernen #10er (+/- 1) Fliegenruten. Die Mirage V besitzt die vollen, sehr geschätzten Vorzüge echter Large Arbor Fliegenrollen, z.B. einen geringen Anlaufwiderstand, einen stets relativ gleich bleibenden Abzugswiderstand und eine rasche Schnuraufnahme. Das Schnurfassungsvermögen der Rolle lässt für eine Rolle dieser Bauart keine Wünsche offen.

Fazit: Die neue Mirage hat uns wie auch schon ihre Vorgänger sehr gut gefallen, es ist eine enorm starke Großkern-Fliegenrolle mit einem sehr ansprechenden, modernen Design und einem technisch sehr ausgereiften Innenleben. Die Fertigungsgüte ist exzellent und das große Leistungsspektrum ist praktisch wohl nicht auszuschöpfen. Ebenfalls hervorragend ist das zeitgemäße Garantie- und Serviceversprechen von Orvis. Auch ohne geschlossenen Rollenkäfig ist die Mirage eine der derzeit stärksten Fliegenrollen am Markt. Einziger Wehrmutstropfen ist der recht deftige Anschaffungspreis…
Bezug: Im Fachhandel (Orvisdealer). Orvis-Vertretung für Deutschland: Orvis Services, Inc. M. Raguse, Hamburg, deutsche Website: www.orvis.de

Quelle: www.fliegenfischer-forum.de

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